Wie viel Perfektion
verträgt eine Erinnerung?

Ein Bildstil gibt Hochzeitsfotos Charakter. Für mich zählt dabei eine einfache Frage: Erkennt ihr euch darin wieder?

Selina und Erik in einem ruhigen Moment am Wasser

Warme Farben, starke Kontraste oder ein weiter Bildwinkel können Hochzeitsfotos prägen. Farben können Stimmung tragen. Sie sollen Hauttöne nicht fremd wirken lassen. Ein weiter Bildwinkel kann einen Raum zeigen. Er sollte Gesichter nicht ungewollt verändern.

Ein Look darf eure Bilder prägen. Er soll euch nicht fremd machen.

Es sind die Gesichter, die bleiben.

Auf Hochzeitsfotos erinnern wir uns nicht nur an Kleidung, Blumen und den Ort. Wir erinnern uns an die Mutter, die vor der Trauung noch einmal den Kragen richtet. An ein Lachen, das schon losgeht, bevor alle bereit sind. An den Blick zwischen zwei Menschen, für den niemand eine Pose angesagt hat.

Solche Bilder dürfen sorgfältig gemacht sein. Sie müssen niemanden verwandeln.

Glatt ist nicht gleich vertraut.

Eine Frau mit 55 darf auf einem Foto aussehen wie eine Frau mit 55. Mit Lachfalten, Sommersprossen und allem, was ihr Gesicht zu ihrem macht. Diese Spuren sind keine Mängel, die automatisch verschwinden müssen.

Natürlich hat jeder eigene Wünsche an ein Porträt. Manche möchten eine kleine Retusche, andere gar keine. Beides ist in Ordnung. Entscheidend ist, dass die Bearbeitung zu der Person passt und nicht zu einem allgemeinen Bild davon, wie jemand auszusehen hat.

Ich gestalte Licht, Farben und Ausschnitt bewusst. Wenn jemand vor der Kamera unsicher ist, gebe ich eine Richtung. Dann lasse ich Raum für das, was zwischen den Menschen passiert.

Ein Bild soll sich vertraut anfühlen.

Am Hochzeitstag muss niemand dauernd wissen, wohin mit den Händen oder wie man „richtig“ lacht. Ein ruhiger Hinweis kann helfen. Danach darf der Moment weitergehen. So entstehen Bilder mitten im Geschehen und manchmal auch zu zweit an einem stilleren Ort – ohne dass der ganze Tag zur Bühne für die Kamera wird.

Wenn ihr eure Hochzeitsbilder später anschaut, soll das Bild vertraut sein: So sah ich aus. So haben wir miteinander gelacht. So waren die Menschen, die dabei waren.

Ein Foto darf sorgfältig gemacht sein. Es muss euch nicht verändern, um schön zu sein.